Toleranzprüfung (Lack & Karosserie)
Die Toleranzprüfung stellt fest, ob Lackschichtdicken, Farbtonwerte, Karosseriespaltmaße oder Oberflächenqualitäten innerhalb der vom Hersteller oder anerkannten Normen vorgegebenen Toleranzgrenzen liegen – und damit ob eine Reparatur, Neulackierung oder Montage fachgerecht ausgeführt wurde.
Einfach erklärt
Im Fahrzeugbau und in der Kfz-Reparatur gibt es für viele messbare Größen definierte Toleranzen – das heißt, zulässige Abweichungen vom Idealwert. Diese Toleranzen sorgen dafür, dass Fahrzeuge funktionieren, ästhetisch stimmig sind und Schutzfunktionen erfüllen.
Die Toleranzprüfung überprüft, ob diese Grenzwerte eingehalten wurden. Typische Anwendungsbereiche:
- –Lackschichtdicken: Zu dünner Lack schützt nicht ausreichend vor Korrosion; zu dicker Lack (Überlackierung) kann auf Vorschäden hindeuten oder zu Haftungsproblemen führen. Hersteller und DIN-Normen definieren Toleranzbereiche.
- –Spaltmaße: Die Abstände zwischen Anbauteilen wie Türen, Kotflügeln, Hauben und dem Karosseriegrundkörper sind auf Millimeter genau definiert. Abweichungen deuten auf Karosserieschäden, fehlerhaften Anbau oder Vorunfallschäden hin.
- –Farbton: Der Farb- und Glanzgrad nachlackierter Flächen muss dem Original entsprechen. Hersteller geben zulässige Abweichungen in sogenannten Delta-E-Werten (farbmetrische Abweichung) an.
- –Oberflächenqualität: Sogenannte Welligkeit (Orangenhaut, Wellen) wird durch standardisierte Messgeräte (Wave-Scanner) erfasst und mit Herstellervorgaben verglichen.
Wussten Sie schon?
Der Begriff 'Delta E' ist das farbmetrische Maß für Farbabweichungen. Ein Delta-E-Wert von unter 1 gilt als mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar. Ab einem Wert von 3–5 sind Unterschiede für die meisten Menschen sichtbar. Hersteller fordern bei Neulackierungen in der Regel ein Delta E unter 2.
Welche Normen gelten bei der Toleranzprüfung?
Bei der Toleranzprüfung im Kfz-Bereich kommen verschiedene Normen und Herstellervorgaben zur Anwendung:
- –DIN EN ISO 2808: Messung von Schichtdicken für Beschichtungen auf metallischen Substraten – Grundlage für die Lackschichtdickenmessung
- –DIN 55945: Begriffe für Beschichtungsstoffe und Beschichtungen
- –Herstellerspezifische Toleranzpapiere: Fahrzeughersteller veröffentlichen eigene Richtlinien für Spaltmaße, Lackschichtdicken und Montagequalitäten
- –ZDK-Leitfaden (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe): Empfehlungen für die Praxis der Kfz-Instandsetzung
- –RAL-Gütezeichen für Karosserie-Instandsetzungsbetriebe: Qualitätsstandards für Lackier- und Karosseriebetriebe
Bei der Toleranzprüfung durch einen Sachverständigen werden die Messwerte mit diesen Referenzwerten verglichen und die Ergebnisse dokumentiert. Das Ergebnis ist eine nachvollziehbare, messbasierte Aussage darüber, ob die Ausführung den Standards entspricht oder nicht.
Typische Streitpunkte
Praxisbeispiel
Nach einer Neulackierung beider linken Fahrzeugtüren reklamiert der Eigentümer eine Farbtonabweichung gegenüber der Fahrzeugseite. Die Toleranzprüfung ergibt einen Delta-E-Wert von 4,2 – deutlich über dem vom Hersteller definierten Grenzwert von 2,0. Gleichzeitig weicht die Lackschichtdicke an der Fahrertür mit 185 μm mehr als 50 % von der Serienschichtdicke ab, was auf Überarbeitung hindeutet. Die Werkstatt muss neu lackieren.
Tipp vom Gutachter
Lassen Sie nach umfangreichen Karosserie- oder Lackierarbeiten eine Toleranzprüfung durch einen unabhängigen Sachverständigen durchführen, bevor Sie die Abnahme unterschreiben. Farbabweichungen, Spaltmaßfehler oder Schichtdickenprobleme lassen sich zum Zeitpunkt der Abnahme noch kostengünstig nachbessern – später wird es teurer und juristisch komplizierter.
Wichtiger Hinweis
Jeder Schadenfall ist individuell zu bewerten. Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Rechtsberatung dar. Für eine rechtliche Beurteilung im Einzelfall wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt.
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