GlossarState of Health (SoH)
Kfz-Glossar · Schadengutachten

State of Health (SoH)

Der State of Health (SoH) beschreibt den aktuellen Gesundheitszustand einer Hochvoltbatterie in Elektro- und Hybridfahrzeugen. Er gibt in Prozent an, wie viel der ursprünglichen Nennkapazität die Batterie noch besitzt.

Einfach erklärt

Jede Lithium-Ionen-Batterie unterliegt einer natürlichen Alterung. Mit jedem Lade- und Entladezyklus sowie durch thermische Belastungen und Lagerung nimmt die Kapazität graduell ab. Der SoH ist der wichtigste Kennwert, um diesen Zustand objektiv zu beschreiben.

Ein SoH von 100 % entspricht der Originalkapazität bei Auslieferung. Ein SoH von 80 % bedeutet, dass die Batterie noch 80 % ihrer ursprünglichen Kapazität besitzt – und damit auch nur noch 80 % der ursprünglichen Reichweite liefert.

Viele Hersteller geben eine Garantie auf die Hochvoltbatterie mit einem Mindestwert von 70 % SoH über einen definierten Zeitraum oder eine bestimmte Kilometerleistung. Fällt die Kapazität innerhalb der Garantiezeit darunter, besteht Anspruch auf Austausch oder Instandsetzung.

Der SoH ist nicht dasselbe wie der Ladestand:

  • State of Charge (SoC): Gibt an, wie voll die Batterie aktuell geladen ist – vergleichbar mit dem Tankfüllstand. Der SoC kann zwischen 0 % und 100 % des aktuell verfügbaren Speichervermögens liegen.
  • State of Health (SoH): Gibt an, wie groß das verfügbare Speichervermögen im Vergleich zur Originalkapazität noch ist. Er beschreibt den Langzeitzustand der Batterie.

Für die Fahrzeugbewertung – beim Gebrauchtwagenkauf, nach einem Unfall oder im Rahmen eines Schadengutachtens – ist der SoH ein wesentlicher Bewertungsparameter.

Wussten Sie schon?

Im Schadensfall kann eine unfallbedingte Schädigung der Hochvoltbatterie den SoH dauerhaft reduzieren – selbst wenn das Fahrzeug äußerlich nur leichte Schäden aufweist. Eine professionelle HV-Diagnose ist daher nach jedem Unfall mit einem Elektrofahrzeug empfehlenswert.

Wie wird der SoH gemessen?

Der SoH kann nicht direkt abgelesen werden, sondern wird durch diagnostische Verfahren ermittelt:

  • Herstellerdiagnose via OBD-Schnittstelle: Fahrzeughersteller und ihre autorisierten Werkstätten können den SoH über das fahrzeugeigene Batteriemanagementsystem (BMS) auslesen. Das BMS erfasst kontinuierlich Lade-/Entladezyklen, Temperaturverläufe und Kapazitätsveränderungen.
  • Spezialisierte Diagnosegeräte: Für viele Fahrzeuge sind spezialisierte externe Diagnosegeräte verfügbar, die tiefergehende Batteriedaten auslesen können – auch ohne Werkstattzugang.
  • Kapazitätsmessung: In spezialisierten Prüfzentren kann die tatsächliche Kapazität durch einen kontrollierten Lade-/Entladezyklus gemessen werden. Dies liefert die genauesten Werte.
  • Hochvoltgutachten: Im Rahmen eines Kfz-Sachverständigengutachtens nach einem Unfall erfolgt eine HV-Systemprüfung, die neben SoH auch Isolationswiderstand, Fehlereinträge im Batteriesteuergerät und sichtbare Beschädigungen umfasst.

Beim Gebrauchtwagenkauf sollte ein dokumentierter SoH-Nachweis vom Verkäufer eingefordert werden. Liegt dieser nicht vor, empfiehlt sich eine unabhängige Bewertung durch einen spezialisierten Sachverständigen.

Typische Streitpunkte

Bei Unfallfahrzeugen mit Elektroantrieb streiten die Parteien regelmäßig darüber, ob eine Kapazitätsminderung der HV-Batterie unfallbedingt ist oder auf natürliche Alterung zurückgeht. Ein dokumentierter SoH-Wert vor dem Unfall (z. B. aus Herstellerdaten) ist hier das stärkste Argument.
Versicherungen versuchen teils, unfallbedingte HV-Batterieschäden als Vorschaden oder Verschleiß einzustufen. Eine fachkundige Diagnose durch einen zertifizierten HV-Sachverständigen schafft die nötige technische Grundlage für die Gegenargumentation.
Im Gebrauchtwagenhandel ist der SoH ein zunehmend wichtiger Streitpunkt. Wird ein SoH-Wert zugesichert, der tatsächlich nicht erreicht wird, können Gewährleistungsansprüche entstehen.

Praxisbeispiel

Ein drei Jahre altes Elektrofahrzeug wird nach einem Heckaufprall begutachtet. Das Fahrzeug weist äußerlich nur geringe Schäden auf. Die HV-Diagnose zeigt jedoch Fehlereinträge im Batteriemanagementsystem und eine Kapazitätsminderung des betroffenen Batteriemoduls. Der SoH fällt nach dem Unfall von 94 % auf 87 %. Da der Ursprungswert dokumentiert ist, kann die unfallbedingte Kapazitätsminderung nachgewiesen und als Schadensposition geltend gemacht werden.

Tipp vom Gutachter

Lassen Sie bei Elektro- und Hybridfahrzeugen nach jedem Unfall – auch bei scheinbar geringem Schaden – eine HV-Systemprüfung durchführen. Batteriemodule können durch Unfälle intern beschädigt sein, ohne dass dies äußerlich erkennbar ist. Ein SoH-Abfall kann erhebliche Wertminderungsfolgen haben.

Wichtiger Hinweis

Jeder Schadenfall ist individuell zu bewerten. Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Rechtsberatung dar. Für eine rechtliche Beurteilung im Einzelfall wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt.

Ihr Kfz-Gutachter im Main-Tauber-Kreis

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